Klassisches Feedback ist oft lähmend, immer rückwärtsgewandt, und fixiert auf Dinge, die nicht verändert werden können. Die Feedforward-Methode wechselt die Perspektive und rückt die positive Gestaltung der Zukunft in den Fokus. Das wirkt befreiend und ermöglicht Teams, ihr volles Potenzial zu entfalten.
Warum Feedforward statt Feedback? Die Probleme mit klassischem Feedback
Wer kennt es nicht. Wir kriegen wieder Mal von der Chefin oder von Teammitgliedern Feedback. Aber, so nett das Feedback auch verpackt sein mag: Es ist und bleibt eine Schelte. Eine Kritik, was wir alles falsch gemacht haben. Wir fühlen uns angegriffen, unter Druck gesetzt – und hilflos. Denn das Feedback verdeutlicht uns eigentlich nur auf negative Art, was wir in der Vergangenheit alles falsch gemacht haben. Da wir aber leider keine Zeitmaschine haben, können wir daran nichts ändern. Das kann paralysierend wirken.
Feedback ist ein zentraler Bestandteil der Kommunikation in jedem Team und in jeder Organisation. So sehr, dass es für uns ganz selbstverständlich ist, Feedback zu geben und zu erhalten. Nimmt man Feedback als Methode aber genauer unter die Lupe, zeigt sich, dass sie drei grosse Nachteile hat:
- Feedback fokussiert auf Bewertungen, Ratings, Beurteilungen. Um Entwicklung, Wachstum oder Veränderung geht es bei Feedback nicht.
- Feedback kann lähmend sein und negatives Verhalten verstärken. Immer wieder nur zu hören, was man schlecht macht, führt zu «Learned Helplessness», erlernter Hilflosigkeit.
- Feedback ist auf die Vergangenheit gerichtet. Die Vergangenheit ist bekanntlich unveränderbar, und Feedback bereitet mit dem nach hinten gerichteten Blick nicht auf zukünftige Herausforderungen und Entwicklungen vor.
Es gibt durchaus Situationen, in denen Feedback als kritischer Blick auf die Fehler der Vergangenheit nützlich sein kann. Wenn das tatsächliche Ziel aber darin besteht, nicht rückblickend zu kritisieren, sondern in positivem Sinne Potenziale und Lösungen für die Zukunft zu schaffen, eignet sich klassisches Feedback nicht. Die fundamental lösungsorientierte Methode des Feedforward schafft hier Abhilfe.
Feedforward: Der positive, lösungsorientierte Blick nach vorne
Die Methode des Feedforward ersetzt das «back» bei Feedback mit «forward», englisch für vorwärts. Der Name ist Programm: Während Feedback in die Vergangenheit gerichtet ist, fokussiert Feedforward auf Lösungen und Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft.
Feedforward ist im Grunde also eine Art 180-Grad-Perspektivenwechsel im Vergleich zu Feedback. Das ist für sich genommen eine kleine Veränderung, die in der Praxis aber grossen Impact hat. Feedback und Feedforward unterscheiden sich diametral darin, was sie bezwecken, und, wie sie bei den Empfänger:innen ankommen.
- Schritt 1: Ausgehend vom Ist-Zustand werden positive Ziele für die Zukunft definiert.
- Schritt 2: Es werden konkrete Massnahmen bestimmt, um die positiven Ziele für die Zukunft zu erreichen.
Als Methode funktioniert Feedforward ganz einfach. Der springende Punkt bei Feedforward ist, den Ist-Zustand nicht zum Anlass für negative Kritik an der Vergangenheit zu nehmen, sondern als Sprungbrett für eine positive Vision der Zukunft zu nutzen. Konkret umfasst Feedforward zwei einfache Schritte:
| Feedback | Feedforward | |
|---|---|---|
| Wie es funktioniert | Fokussiert negativ auf Unveränderbares. | Fokussiert auf positive Veränderung. |
| Problemorientiert. | Lösungsorientiert. | |
| Betont Misserfolge. | Betont Potenziale. | |
| Was es bewirkt | Wird als Angriff wahrgenommen. | Ist kooperativ und kreativ. |
| Verursacht Angst, Widerstand, Hilflosigkeit. | Erlaubt Entfaltung, Mitwirkung, Kreativität. |
Feedback vs. Feedforward Beispiele – so klingt die Methode, wenn man sie im Unternehmen umsetzt
Die Tabelle oben zeigt das Prinzip – wie sich das konkret anhört, zeigen folgende Beispiele aus dem Arbeitsalltag:
| Feedback | Feedforward |
|---|---|
| „Deine Präsentation letzte Woche war zu unstrukturiert.“ | „Für deine nächste Präsentation schlage ich vor, mit einer klaren Agenda zu starten – das gibt allen von Anfang an Orientierung.“ |
| „Im letzten Projekt hat die Kommunikation im Team nicht funktioniert.“ | „Lass uns für das nächste Projekt ein kurzes wöchentliches Team-Check-in einführen, damit alle auf dem gleichen Stand sind.“ |
| „Du bist im Kundengespräch zu wenig auf die Bedürfnisse eingegangen.“ | „Starte beim nächsten Kundengespräch gezielt mit einer offenen Frage, um die Bedürfnisse besser zu verstehen.“ |
Feedforward-Erklärvideo
Feedforward heisst von der Zukunft lernen: konstruktiv sein, mitdenken, nach vorne schauen – im Gegensatz zum Feedback, das sich mit der Vergangenheit befasst. Im folgenden Video erfährst du, wieso Feedforward so gut funktioniert und wie du selbst „feedforwarden“ kannst.
Wissenschaftlicher Hintergrund von Feedforward: Learning from the future
Feedforward ist eine intuitive Methode, deren Vorteile sehr offensichtlich scheinen. Doch Feedforward ist auch das Ergebnis jahrzehntelanger psychologischer Forschung.
In den 1970er Jahren begannen Psycholog:innen, nach Alternativen zu Feedback für Kinder mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen zu suchen. Für Kinder mit besonderen Bedürfnissen war klassisches Feedback bisweilen nicht nur nutzlos, sondern sogar kontraproduktiv. Die Forscher:innen entwickelten zu diesem Zweck die Methode des «Self-Modeling», der Selbstmodellierung. Feedforward ist ein synonym für die Self-Modeling-Methode. Mit den frühen Feedforward-Methoden konnten Kinder mit besonderen Bedürfnissen z.B. in einer Video-Aufzeichnung ein positives Verhalten beobachten, um ihr eigenes zukünftiges Verhalten ganz intuitiv danach zu modellieren.
Feedforward entpuppte sich als durchschlagender Erfolg. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde die Self-Modeling Methode in weiteren Domänen erforscht und getestet: In schulischen, akademischen und beruflichen Kontexten; für sportliche Leistungen; für individuelle und soziale Verhaltensänderungen – und überall zeigte sich Feedforward als äusserst wirksames Werkzeug.
Peter Dowrick, einer der Pioniere der Forschung zu Feedforward, hat die langjährigen und vielfältigen positiven Ergebnisse zu Feedforward 2012 in vier einfachen, aber treffenden Worten zusammen: «Learning from the future». Von der Zukunft lernen.
Tipps für die Einführung von Feedforward
Deine Neugier ist geweckt und du möchtest Feedforward in deiner Organisation einsetzen? Das geht grundsätzlich einfach. Ein paar Tipps, wie du Feedforward erfolgreich einführen kannst:
- Just do it. Probieren geht manchmal über studieren. Erstelle einen Leitfaden für einen Einsatzbereich in kleinerem Rahmen, probiere die Methode aus – und lebe Feedforward vor allem aktiv vor, und fordere auch Feedforwards ein.
- Coach, nicht Chef. Feedforward funktioniert dann, wenn es auf Augenhöhe stattfindet. Das oftmals vorhandene Hierarchiedenken muss aufgelöst werden und einem kooperativen Ansatz weichen – idealerweise im Sinne einer Bottom Up-Kultur.
- Teams im Fokus. Teams (oder Horden, Rollen, etc.) sind der beste Ort, um Feedforward unkompliziert einzuführen und mit grosser Wirksamkeit zu nutzen.
- Pulsbefragungen. Kurze, regelmässige Befragungen bilden die perfekte Grundlage für Feedforwards. Mit Pulsbefragungen kann unkompliziert gemessen werden, wie die aktuelle Situation ist, und darauf aufbauend können Ziele und Lösungen mittels Feedforward formuliert werden.
- Die richtigen Werkzeuge nutzen. Es gibt Tools, die den Einsatz von Feedforward vereinfachen. Zum Beispiel der Joineer Teambarometer.
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Für welche Art von Unternehmen eignet sich Feedforward?
Feedforward kann grundsätzlich in jedem Unternehmen eingesetzt werden. Am effektivsten ist die Methode aber in Teams und Organisationen, die nach dem Bottom-up-Ansatz funktionieren oder dies gezielt fördern wollen.
In Kombination mit einer Bottom-up-Kultur ermöglicht Feedforward das Maximum an positiver Zukunftsgestaltung aus Teams und Unternehmen zu fördern – auf vier Ebenen:
- Organisation: Die Organisation wird agiler, dynamischer, flexibler und resilienter, weil Feedforward in Kombination mit Bottom-up erlaubt, interne und externe Veränderungen besser zu erkennen und schneller auf sie zu reagieren.
- Management: Das Management wird in ehrliche und konstruktive Kommunikationsflüsse eingebunden. Das aktive Mitdenken der Mitarbeitenden auf allen Ebenen macht die Arbeit des Managements einfacher und besser.
- Teams: Der Feedforward-Ansatz in Kombination mit einer Bottom-up-Kultur steigert in Teams die psychologische Sicherheit, das Commitment und das Engagement.
- Individuum: Feedforward und Bottom-up-Kultur befähigen Einzelne, ihr ganzes Potenzial zu erkennen und einzubringen – besonders jüngere Generationen suchen genau diese Form der Selbstverwirklichung im Berufsleben.
Gerade in Unternehmen, die Feedback und Feedforward bewusst kombinieren, entfaltet dieses Zusammenspiel sein volles Potenzial.
Joineer Teambarometer: Eine Symbiose von Pulsbefragungen und Feedforward
Unser Teambarometer ist von A bis Z auf Feedforward ausgelegt. Nach rund 10 Minuten kannst du deine erste Sequenz starten und dabei auch schriftliche Feedforwards einholen. Die Feedforwards könnt ihr dann anschliessend als Team im integrierten Besprechungsmodus bearbeiten und konkrete Ziele setzen. Der Teambarometer-Prozess hilft euch dabei, Feedforward ganz unkompliziert und vor allem nachhaltig ein- und umzusetzen.
Möchtest du erfahren, wie unser Tool dich dabei unterstützt eine Feedforward Kultur zu etablieren? Dann schau dir unser Demo-Video an.
Feedforward bedeutet einen positiven Kulturwandel
Die Feedforward-Methode ist im Prinzip sehr einfach und kann ohne grossen Aufwand eingesetzt werden. Feedforward in einem Team oder einer Organisation nachhaltig zu etablieren, bedeutet aber nicht selten einen Kulturwandel. Warum?
Das Ziel der Feedforward-Methode ist nicht, sie einmalig einzusetzen. Das geht schnell, hat aber nur begrenzt Impact. Feedforward ist stattdessen eine Methode, die auf ständige positive Veränderung und Entwicklung abzielt: Die positive Vision der Zukunft, die mit einem einzelnen Feedforward definiert wird, soll eben auch erreicht werden. Damit das gelingt, ist eine kontinuierliche Begleitung der Veränderungsprozesse mit der Feedforward-Methode unabdingbar.
Für die meisten Organisationen bedeutet dies einen Sprung ins kalte Wasser. Wir sind uns gewohnt, Feedback einmalig zu geben oder zu erhalten und die Sache damit abzuhaken. Feedforward hingegen bedeutet, dass ein Prozess eingeleitet und zum Gelingen geführt wird. Das erfordert ein gewisses Mass an Disziplin, vor allem aber ein Umdenken im ganzen Team oder der ganzen Organisation und orientiert sich am agilen Gedankengut.
Bis sich die Feedforward-Methode in der Kommunikation einer Organisation wirklich verankert hat, kann es deshalb mehrere Jahre dauern.
Häufige Fragen zum Feedforward
Was ist der Unterschied zwischen Feedback und Feedforward?
Feedback bewertet die Vergangenheit und zeigt, was falsch gelaufen ist. Feedforward – manchmal auch „Feedback Forward“ genannt – lässt die Vergangenheit aussen vor und formuliert stattdessen konkrete, positive Vorschläge für die Zukunft.
Welche Fehler sollte man bei Feedforward vermeiden?
Ein häufiger Fehler ist, Feedforward mit verstecktem Feedback zu vermischen („Für nächstes Mal wünsche ich mir, dass du nicht mehr so unstrukturiert bist“ – das ist noch Kritik, kein Feedforward). Ein echtes Feedforward benennt ausschliesslich eine konkrete, zukunftsgerichtete Handlung, ohne die Vergangenheit zu bewerten.
Hat Feedforward auch Grenzen oder Nachteile?
Feedforward ersetzt Feedback nicht vollständig: Wenn es tatsächlich um eine nicht verhandelbare Regelverletzung oder eine notwendige rückblickende Einordnung geht, bleibt klassisches Feedback das richtige Werkzeug. Feedforward entfaltet seine Stärke vor allem dort, wo Entwicklung und Zukunftsgestaltung im Vordergrund stehen.
Ist Feedforward nur im Unternehmenskontext sinnvoll?
Nein – die wissenschaftlichen Wurzeln liegen sogar ausserhalb der Arbeitswelt, etwa in Schule, Sport und Therapie. Im Unternehmenskontext hat sich die Methode aber besonders für Team- und Führungskommunikation etabliert.
Wie oft sollte ein Team Feedforward einsetzen?
Am wirksamsten ist Feedforward nicht als Einmal-Massnahme, sondern in einem festen Rhythmus, beispielsweise gekoppelt an regelmässige Pulsbefragungen – so bleibt der Blick auf die Zukunft ein kontinuierlicher Prozess statt eines einzelnen Ereignisses.